Die unnötige Zurückhaltung der Einzelhändler gegenüber KI
Der Einzelhandel erlebt einen tiefgreifenden Wandel, während Geschäftsmodelle angepasst und Lieferketten umstrukturiert werden. Heike Scholz, eine Expertin für zukunftsorientierten Einkauf, beleuchtet das Paradox, dass trotz der umfassenden Reorganisation der Branche weniger Mut zur Integration Künstlicher Intelligenz (KI) besteht. Laut der Horváth-Studie, die über 40 Vorstände europäischer Handelsunternehmen befragte, wird das KI-Budget bei lediglich 0,4 % des Gesamtumsatzes stagnieren. Dies ist besonders alarmierend, da mehr als die Hälfte der Führungskräfte davon überzeugt ist, dass KI innerhalb der nächsten zwei Jahre wesentliche Veränderungen in Modellen und Prozessen erfordert.
Künstliche Intelligenz als Schlüsselelement der Transformation
Künstliche Intelligenz könnte das Potenzial haben, die Effizienz und Kundenerfahrung im Einzelhandel grundlegend zu transformieren. Aber warum zögern die Unternehmen? Die Antwort könnte in der Angst vor Veränderung und der Gefahr von Arbeitsplatzverlusten liegen, denn Künstliche Intelligenz wird oft als Bedrohung und nicht als Chance wahrgenommen. Das Ergebnis ist eine vorübergehende Stagnation in der Innovationsbereitschaft und in der Anpassungsfähigkeit der Handelsunternehmen.
Ein Blick auf die Konkurrenz aus Asien
Die Herausforderung für europäische Einzelhändler wird noch verstärkt durch den Anstieg asiatischer Plattformen wie Temu und Shein, die trotz ihrer Qualitätseinschränkungen als ernstzunehmender Wettbewerb wahrgenommen werden. Diese Unternehmen nutzen digitale Wertschöpfungsketten, die es ihnen ermöglichen, flexibel und schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. Der Trend zeigt, dass das sinkende Verbraucherinteresse an nachhaltigen Produkten ihre Nachhaltigkeitsstrategien untergräbt und gleichzeitig den Preisdruck erhöht, den europäische Unternehmen nur schwer umsetzen können.
Omnichannel: Ein versäumter Trend
Eine ganzheitliche Omnichannel-Strategie scheint aktuell nicht ausreichend betrieben zu werden. 81 % der Umfrageteilnehmer sehen zudem dringenden Transformationsbedarf in der Organsisation: entscheidende Punkte wie Steuerung, Logistik und Mitarbeiterkompetenzen sind häufig nicht integriert. Eine Omnichannel-Strategie sollte mehr sein als nur ein „Klick & Collect“. Es ist ebenso wichtig, dass die zugrunde liegenden Geschäftsmodelle auch eine verbundene und nahtlose Kundenerfahrung bieten.
Die dringende Notwendigkeit für eine digitale Transformation
Der stationäre Handel bleibt für viele Einzelhändler wichtig, und 93 % der Befragten glauben an die Zukunft der Innenstädte. Zukunftsorientierte Händler sind sich der entscheidenden Rolle bewusst, die das Kauferlebnis und die Omnichannel-Integration für die Erreichung ihrer Ziele spielen müssen. Es ist jedoch von äußerst großer Bedeutung, dass die digitale Transformation nicht vernachlässigt wird. Händler müssen sich darüber klar sein, dass der Erfolg im Einzelhandel heute nicht mehr allein vom physischen Geschäft abhängt, sondern immer stärker von den Technologien, die ihre Prozesse unterstützen.
Die Entwicklung und Integration von KI wird nicht länger eine Option sein, sondern eine Notwendigkeit, um die Kluft zur Konkurrenz zu überbrücken und neue Lösungen für Kundenzufriedenheit und Effizienz zu schaffen. Nur so kann der Einzelhandel der Zukunft erfolgreich bestehen.
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